Barbados ist offensichtlich die DomRep der Engländer. Hier spricht man Englisch und fährt links. Dennoch ist die Karibikinsel sehr schön und bietet sowohl endlose Sandstrände entlang der Westküste als auch die rauhe Atlantikbrise an ihrer Ostküste. Klimatechnisch ist Barbados zweigeteilt, wobei die schroffere Ostküste durchaus ihre Reize hat und einfach mehr Ruhe bietet. Dort kann es auch mal passieren, dass man am Strand allein ist.
An der Westküste passiert einem das auf gar keinen Fall! Noch nicht einmal auf dem Weg zum Strand! Hier spielt sich der gesamte Tourismusrummel ab, dessen Hochburg der kleine, beschauliche Ort St.Lawrence Gap an der Südküste ist. Bei St. Lawrence Gap handelt es sich im eigentlichen Sinne um eine Partymeile. Hier findet man alles, um sich bis zum folgenden Morgen zu amüsieren: die unterschiedlichsten Restaurants, Cocktail-Bars, Kneipen, Discotheken, und, und, und… Viele Anbieter sind bereits auf das beliebte Flat-Rate-Saufen umgestiegen und bieten entprechende Aktionstage. Wenn man sich gerne sinnlos betrinken möchte, ist dies natürlich aus finanzieller Sicht eine äußerst übersichtliche Angelegenheit, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Ziel führt.
Problematisch wird es nur dann, wenn einem diese Art und Weise der Freizeitgestaltung nicht ganz zusagt. Die Alternativen sind äußerst gering, denn selbst auf dem Balkon seines Hotelzimmers oder am Pool der Hotelbar verfolgt einen der unüberhörbare Sound der einschlägigen Clubs.
Ich persönlich habe mich immer gefragt, warum es in St. Lawrence Gap so unglaublich viele Taxis gibt. Zunächst hielt ich es für ziemlich überflüssig und sinnlos, da sich St. Lawrence Gap recht gut zu Fuß erschließen lässt und das Klima verführt auch eigentlich zu einem nächtlichen Spaziergang. Außerdem handelt es sich um ein Einbahnstraßensystem, das durch das Dorf führt. Möchte man sich beispielsweise hundert Meter entgegen der Fahrtrichtung bewegen, müsste der Taxifahrer einen Umweg von mehreren Kilometern tätigen, um den Gast ans Ziel zu bringen. Das wäre nicht nur Geld- sondern auch eine immense Zeitverschwendung. In dieser Zeit könnte man bereits einen Gratisdrink verpasst haben.
Auch die Fahrgastacquise der Taxifahrer lässt nicht unbedingt den Wunsch aufkommen, auf eines der Transportangebote einzugehen. Man stelle sich dies so vor: Es stehen schätzungsweise dreißig Taxis hintereinander und warten auf einen Einsatz. Möchte man diese Taxis passieren - und man kommt nicht umhin, sie zu passieren, denn jeder Weg führt an einem Taxifahrer vorbei - fragt einen nicht jeder fünfte, nicht jeder dritte und auch nicht jeder zweite Taxifahrer, ob man seine Dienste benötigt, sondern jeder Taxifahrer begleitet einen sogar ein Stück des Weges, um währenddessen auf einer sehr persönlichen Ebene Werbung für seine außergewöhnlichen Beförderungskapazitäten zu machen. Es ist schade, wenn ein ausgelassener Abend auf diese Weise enden muss, denn nach dem siebten Angebot ist man genervt und spätestens ab dem fünfzehnten richtig aggressiv. Und man hat gerade mal die Hälfte des Weges hinter sich!
In manchen Nächten, wenn wir uns völlig amüsierunfähig einfach nur bei einem Rotwein auf dem Balkon langweilen wollten, wurde mir dann doch der Sinn der vielen Taxis und die Vehemenz der Fahrer klar: Diese Helden boten den Flat-Rate-Resistenten die einzige, lebensfähige Alternative: Wir bringen Euch hier raus!