Das Thermalbad Gross Barmen befindet sich lediglich eine gute Autostunde von der Hauptstadt Windhoek entfernt und galt einst als attraktives und beliebtes Reiseziel sowohl für Touristen als auch für Einheimische. Bis in die 90er lud die Anlage zum Campen und zu erholsamen Bädern im wohl temperierten Thermalbad ein. Diese Zeiten gehören nun wohl eindeutig der Vergangenheit an!
In Erinnerung an positive Erlebnisse im Thermalbad Gross Barmen entschieden wir uns in diesem Jahr, die Anlage noch einmal aufzusuchen. Von vielen Seiten wurden wir bereits im Vorfeld gewarnt, dass die Anlage ziemlich heruntergekommen sei. Die Toiletten und Duschen seien verdreckt und auch das Thermalbad selbst entspräche nicht den hygienischen Anforderungen. Wir konnten es uns absolut nicht vorstellen, dass es tatsächlich so schlimm sein könnte, und wollten es einfach wissen.
An der Rezeption teilte man uns bereits mit, dass das Außenbad zur Zeit außer Betrieb sei. Das indoor Thermalbad würde jedoch mit verlockenden 36 Grad zum baden einladen. Für uns hörte sich alles hervorragend an: Wir zahlten 100 Dollar Eintritt (zwei Erwachsene und ein Fahrzeug) und begaben uns über die Campinganlage zum Bad.
Zuvor spielten wir mit dem Gedanken, gegebenenfalls eine Nacht in Gross Barmen zu verbringen. Klar, wenn man vom Thermalbaden völlig erschöpft ist, bietet es sich ja schließlich an, auch die Nacht dort zu verbringen.
Erstaunlicherweise schienen wir die einzigen Besucher zu sein. Diesen Gedanken fanden wir zwar einerseits suspekt, andererseits auch sehr angenehm. Leider folgte unserer Freude über ein idyllisches 36 Grad Bad in trauter Zweisamkeit ein Kleinbus voller männlicher Touristen. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, welcher Nationalität sie waren, ihre Körper waren jedenfalls sehr weiß und ihr Kommunikationsverhalten sehr laut. Mit anderen Worten: Zweisamkeit und Idylle waren dahin!
Das Bad konnte in der Tat den einfachsten hygienischen Anforderungen nicht standhalten. Ich wollte trotzdem endlich ins schöne, warme Thermalbad. Den ersten Fuß ins Wasser gesetzt, konnte ich kaum glauben, was ich da fühlte: Ich schätzt eine Temperatur von mindestens 46 Grad! Das Wasser war kochend heiß! Bis zu den Hüften quälte ich mich ins Becken und ging vor allem deshalb nicht weiter, weil ich den Schaum, der an manchen Stellen auf dem Wasser schwamm, äußerst suspekt fand. Die Touristenmänner schafften es jedoch stellenweise sogar einmal lautstark durchs Becken und ihre Körper nahmen anschließend eine rote Farbe an. Sie sahen so aus, als hätten sie zu lange in der Sonne gelegen – meine Beine übrigens auch!
Ich wurde einfach den Eindrucks nicht los, dass sich eigentlich kein Schwein dort für die Wassertemperatur oder für grünen Schaum im Wasser interessierte. Die Außenanlage bestätigte diesen Eindruck. Die Außenbecken wurden angeblich gerade gereinigt. In der Tat waren auch eine handvoll Leute mit vermeintlichen Reinigungsarbeiten beschäftigt. Eile schien jedoch keiner zu haben – offensichtlich wurde kein Besucheransturm erwartet!
Insgesamt vermittelte Gross Barmen einen äußerst vernachlässigten Zustand. Die Anlage ließ einen noch das einstige Ausflugsparadies erahnen und es ist sehr, sehr schade, dass dieser wunderschöne Urlaubsort seinen Zweck derzeit nicht mehr erfüllen kann. Gross Barmen ist nach wie vor unter staatlicher Leitung. Dies sollte jedoch nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. In anderen Einrichtung hat der NWR bereits bewiesen, dass Reiseziele unter staatlicher Leitung durchaus auch Exklusivität bieten können.