Lüderitz liegt ebenso wie Swakopmund an der Atlantikküste Namibias, lediglich ca. 500 km weiter südlich. Wir hielten Lüderitz für ein charmantes, kleines Fischerdorf, dessen Gebäude ebenso wie in Swakopmund überwiegend im Kolonialstil gehalten sind. Insgesamt gingen wir davon aus, dass Lüderitz wie Swakopmund aussieht, eben nur kleiner und verschlafener, daher fanden wir die Idee super, zwei Übernachtungen dort zu buchen, damit wir ausreichend Zeit für Lüderitz und die Umgebung haben. Leider haben wir uns mit unserer Kalkulation etwas verzettelt!
Man muss dazu sagen, dass Lüderitz im absoluten Nichts liegt, d.h., es gibt keine Alternative im Umkreis von einigen Hundert Kilometern, außer natürlich Kolmanskop, aber das zählt ja im gewissen Sinne zu Lüderitz und man plant den Ausflug dorthin natürlich im Lüderitzzeitplan mit ein. Ansonsten kann man sich die endlosen Weiten der Wüste angucken, aber davon gibt es schließlich auf der Hin- und Rückreise schon ausreichend Fotomaterial.
Wir kamen also nach langer Fahrt endlich Freitag am frühen Nachmittag in Lüderitz an. Schon der erste Eindruck ließ uns ein Wenig stutzig werden, denn Alles sah sehr zu aus. Wir gingen davon aus, dass es an der Mittagspause liegen müsse, und fuhren zunächst zum Hotel, um unsere Sachen auszuladen.
Auf Empfehlungen hin hatten wir das Lüderitz Nest Hotel gebucht, das direkt am Meer liegt. Die Lage ist in der Tat verhältnismäßig schön, das Hotel mag sicherlich auch das mit Abstand angenehmste Übel sein, aber uns hätte es auf gar keinen Fall dazu veranlasst, freiwillig eine weitere Nacht dort zu verbringen. Aber wir hatten sie ja schließlich gebucht und bezahlt….
Nachdem wir unser Gepäck ins Zimmer geräumt haben (nachdem unser Gepäck in dem Zimmer war, blieb übrigens wenig Platz zur Fortbewegung), fuhren wir wieder in die Stadt bzw. ins Dorf, denn schließlich war es schon nach drei und die Mittagsruhe dementsprechend beendet. Bis fünf hatten einige Geschäfte und das Museum tatsächlich auch noch auf, aber danach gab es nicht mal mehr ein geöffnetes Café, wo wir hätten einkehren können. Verschlafen ist ja schön, aber ein Wenig Kultur und Gastronomie wäre nett gewesen. Wir spazierten dann durch die fast menschenleeren Straßen und fuhren mit dem Auto einige Runden bis zu den Randbezirken, in der Hoffnung, doch noch etwas zu finden. War nicht der Fall, aber Lüderitz besitzt einen wunderschönen Campingplatz, der auf der Haifisch-Insel liegt. Wären wir mit Campingausrüstung dort gewesen, hätten wir sicherlich die Übernachtungs Location gewechselt.
Wir fanden übrigens abends noch eine offene Bar, in der es sogar live Musik und Essen gab. Als wir Samstag Abend jedoch erneut dort hin wollten, war diese Bar geschlossen. Schade!
Bereits im Jahr 1488 landete der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz in der Bucht von Lüderitz und suchte dort, wie berichtet wird, einige Tage Zuflucht wegen schlechten Wetters auf See. Am ihn erinnert noch heute das Steinkreuz an dem nach ihm benannten Diaz Point. Dieses Kreuz ließ Diaz im Gedenken an den heiligen Jacobus errichten.
Im Mai 1883 erwarb Adolf Lüderitz, ein Bremer Kaufmann, das Gebiet im Umkreis von fünf Meilen um die Bucht, wobei er Verträge mit Joseph Fredericks, dem Häuptling der Bethanier Hottentotten und auch später mit Jonker Afrikaner abschloss. Das Interesse von Adolf Lüderitz an dieses Gebiet war rein geschäftlicher Natur, so diente der Ort mit seinem Hafen einerseits dem Robben- und Walfang, andererseits als Versorgungspunkt zur Versendung und zum Empfang von Gütern aus dem Landesinneren.
Das Diaz Kreuz stand bei uns für den Samstag Morgen auf dem Sight-Seeing Plan. Die Landschaft ist sehr beeindruckend, aber man hat dann auch relativ schnell alles gesehen. Wir haben die Tour zum Diaz Kreuz mit der Besichtigung von Kolmanskuppe verbunden. Aber auch hier muss man aufpassen: Kolmanskuppe schließt samstags bereits um 13 Uhr!
Um 13 Uhr schließen samstags allerdings auch wieder alle Geschäft – was ja nicht tragisch wäre – aber auch die ansässige Gastronomie. Wir machten uns dementsprechend erneut zu Fuß auf den Weg, um uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen, zumindest je, die man von außen besichtigen kann.
Insgesamt ist Lüderitz schon sehr herunter gekommen. Die geschlossenen Fabrikgebäude zerfallen einfach mitten in der Stadt, aber auch bei privaten Gebäuden scheint man sich dort nicht allzu viel Mühe zu geben, diese instand zu halten. Es bröckelt an allen Ecken und enden! Der Sportplatz vermittelt den Eindruck des Freigangsbreichs eines Gefängnisses, dass seit einigen Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb ist. Auch die Menschen aus Lüderitz manifestieren diesen Eindruck, der einem beim Besuch der Stadt unwillkürlich ins Auge springt: Die meisten haben das sinkende Schiff schon verlassen und die Verbliebenen warten auf den Untergang. Der Unterschied zwischen Lüderitz und Kolmanskuppe scheint nicht mehr klar definierbar zu sein!