Eigentlich wollten wir nach Namibia… Da ich jedoch sehr schwanger war, konnten wir nicht mehr mit Namibian Airlines fliegen, da diese Fluglinie Schwangere nur bis zur 32. Woche mit nimmt. Zu unserem gewünschten Flugtermin wäre ich allerdings bereits in der 34. Woche gewesen, also mussten wir eine Alternative finden. Virgin Airlines warb auf seiner Internetseite damit, Schwangere bis zur 36. Woche an den Wunschzielort zu transportieren. Wir würden zwar eine Bestätigung des Frauenarztes benötigen, eine sogenannte „Fit to Fly“ Bescheinigung, aber dies sollte das geringste Problem sein.
Wir mussten jedoch unsere Flugroute ein Wenig umstellen, da Virgin nicht von Deutschland aus fliegt und auch nicht in Namibia landet. Also wählten wir den Flug London – Kapstadt, mit der Absicht, Kapstadt mit einem Besuch bei Freunden zu verbinden und anschließend entspannt mit einem Leihwagen nach Namibia zu fahren und dabei die Natur zu genießen. Natürlich mussten wir zuvor noch nach London kommen, aber hierfür bot sich Lufthansa an, die ebenfalls Schwangere bis zur 36. Woche mitnehmen.
Am Tag des Abflugs befand ich mich ziemlich am Ende meiner 34. Schwangerschaftswoche, hatte jedoch die „Fit to Fly“ Bescheinigung meines Frauenarztes in zweisprachiger Ausführung – Deutsch für Lufthansa und Englisch für Virgin – dabei. Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen…
In London-Heathrow angekommen, begaben wir uns zum Abflugterminal von Virgin Airlines und bestaunten dort die technologisch sowohl hochwertige als auch zeitsparende Check-In Methode. Schließlich mussten wir ja nach unserem Lufthansa Flug das gesamte Gepäck abholen, um es für den Flug nach Kapstadt erneut einzuchecken. Neben den faszinierenden Check-In Terminals gab es unter anderem einen Schalter mit der fetten Aufschrift „Upgrades“. Mein Freund dachte sich wohl, dass mein dicker Bauch die beste Voraussetzung für ein günstiges Upgrade sei und marschierte guter Dinge zum entsprechenden Schalter.
Aufgrund der Euphorie schien er wohl vergessen zu haben, wie lange ich schon schwanger war, und antwortete dem Mitarbeiter von Virgin auf die Frage, in welcher Woche ich sei: „Thirty-Sixth Week.“ Der klärte ihn dann darüber auf, dass Virgin Airlines Schwangere nur bis zur 34. Schwangerschaftswoche transportieren dürften und ich diesen Zeitpunkt wohl überschritten hätte. Es entfachte sich eine heiße Diskussion um die Aussage auf der Webseite und den Regeln vor Ort.
Ich konnte die Diskussion beenden, indem ich dem Mitarbeiter die englische „Fit-to-Fly“ Version meines Frauenarztes in die Hand drückte, aus der auch meine Schwangerschaftswoche hervorging – die 34.! Der Mitarbeiter machte sich eine Kopie – für alle Fälle! - und ich wurde ohne weitere Diskussionen transportiert. Die Upgrades waren derweil ausverkauft und wir mussten uns mit dem vagen Versprechen des Airlinepersonals zufrieden geben, uns möglichst bequeme Plätze mit ausreichender Beinfreiheit zu verschaffen. Es blieb bei dem Versprechen.
Natürlich wissen wir jetzt nicht, welche Aussage von Virgin Airlines verbindlich ist: Die der Webseite, wonach Frauen bis zur 36. Schwangerschaftswoche mitfliegen dürfen, oder die des Personals, wonach die 34. Woche die absolute Grenze darstellt. Sollte sich eine Schwangere in der Wochengrauzone 35. oder 36. Schwangerschaftswoche befinden, ist es sicherlich ratsam, sich eine schriftliche Bestätigung von Virgin Airlines geben zu lassen, bevor man den Flug bucht.